Presse-Mitteilungen aus Cloppenburg

09. Oktober 2015

Spendenzentrale für Flüchtlinge geplant

Lager in der ehemaligen Kaufhalle steht bald bereit / Debatte im Ratssaal zeigt Hilfsbereitschaft aber auch Unklarheit

Cloppenburg ist hilfsbereit: Über 130 Bürger beteiligten sich an der Debatte im Ratssaal, wie Flüchtlingen geholfen werden kann.
Erste Schritte haben Dutzende ehrenamtlicher Helfer getan, auch wenn, der Weg noch lang ist.


Cloppenburg (ah).Die Betreuung geflüchteter Menschen in Cloppenburg kann nur im Zusammenspiel von haupt- und ehrenamtlichen Helfern klappen. „Die Welle wird höher sein als erwartet, aber es wird kein Tsunami“, meinte Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese zum Auftakt des Infoabends am Mittwochabend im Ratssaal.

Das Treffen, das der Arbeitskreis Integration organisiert hat, legte erste Ansätze dieser Zusammenarbeit offen, zeigte aber auch, wo es noch fehlt — an Hilfsbereitschaft allerdings nicht. Wiese setzt vor allem auf die ausgeprägte „Willkommenskultur“ der Cloppenburger. Etliche hilfsbereite Bürger, Vertreter fast aller Wohlfahrtsverbände und der Kirchen stellten ihr Engagement vor oder machten Vorschläge, wie das persönliche Engagement besser organisiert werden kann.

Als erste Maßnahme schnürt der Landkreis ein Willkommenspaket, das die wichtigsten Informationen über die Stadt und die Ansprechpartner in den Ämtern in sechs verschiedenen Sprachen erklärt.,, Die Asylbewerber sind in der fremden Umgebung orientierungslos“, sagte Antonia Niemöller vom Landkreis: „Hilfreich wäre aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse eine Amtsbegleitung.“

Damit wären die (wenigen) hauptamtlichen Mitarbeiter allein überfordert. Betreuer Erwin Dierks von der Diakonie betonte, mehr denn je setze man auf ehrenamtliches Engagement von außen. Bevor die Arbeit beginnt, brauchten die meisten Flüchtlinge erst Abstand von ihren oft schrecklichen Erfahrungen, meinte Dierks. Das Wichtigste, was Helfer dann schenken können, sei Unterstützung beim Deutschlernen. Das beginnt und wirkt schon in den kleinsten Alltagskontakten.

Engagierte Bürger im Saal schlugen Patenschaften auf Zeit vor, um Geflüchteten die Eingewöhnung zu erleichtern. Andere schlugen die Einrichtung einer Internet-Plattform vor, wo alle Informationen und Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Thema „Hilfe für Flüchtlinge“ abrufbar sind. Auch Hilfsangebote von nicht in den Verbänden oder Kirchen organisierten Bürgern könnten dort gesammelt und vermittelt werden, hieß es.

Mit der Vermittlung aller ungebundenen Helfer an die „passenden“ Flüchtlinge wäre die Ehrenamtsagentur überfordert, sagte Jutta Klaus. Vor allem das von den hauptamtlichen Kräften geforderte „Profiling“, also die Erfassung der Ehrenamtlichen mit ihren persönlichen Kenntnissen und Fähigkeiten in der Betreuung, sei nicht leistbar.

Klaus forderte zugleich mehr Unterstützung der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit durch zusätzliche Sozialarbeiter. Bürgermeister Wiese sagte eine Prüfung dieser Frage in den nächsten Haushaltsberatungen noch in diesem Jahr zu. Die Stadt kann dazu Landesmittel anfordern.

Erste Ansätze zu einem „Netzwerk der Helfenden“, an das sich Bürger wenden können, bietet die Steuerungsgruppe „Wir helfen helfen“, die ehrenamtliche Hilfe für Flüchtlinge vermitteln will (siehe „Fakten“). „Wir müssen die Arbeit so organisieren,
dass wir nichts doppelt machen in den Organisationen und der Verwaltung“, kommentierte Wiese.

Zumindest für Sachspenden soll es bald eine Zentrale geben. Kleidung, Möbel und Hausrat könnten demnächst in den Räumen der ehemaligen Kaufhalle gelagert werden. ,, Im ersten Obergeschoss stehen uns in zwei bis drei Wochen 1000 Quadratmeter zur Aufbewahrung zur Verfügung“, berichtete Kaufmann Hans-Jürgen Grimme, der mit den Eigentümern verhandelt hat. Für die Koordination bei der Annahme der Sachspenden wird eine Kraft auf 450,-Euro-Basis für ein Jahr eingestellt. Ein Spender trägt diese Kosten. Zusätzliches freiwilliges Personal wird sicherlich benötigt werden.

In einem Schlusswort mahnte Moderator Hubert Kreke einen menschlichen Umgang mit der Notsituation an. „Hier kommen keine Ströme an, sondern einzelne Menschen, wenn auch mehr als sonst“, sagte der leitende Redakteur. Und: „Angst hat uns als Ratgeber in Cloppenburg noch nie genutzt, Gelassenheit und Hilfsbereitschaft schon. Das haben wir selbst erlebt in den Zuwandererwellen, die wir ganz gut bewältigt haben.“

Inzwischen würden Menschen aus 83 verschiedenen Nationen in Cloppenburg weitgehend friedlich zusammenleben - mit einer der niedrigsten Kriminalitätsraten in ganz Niedersachsen. „Das kann so bleiben, wenn wir uns gegenseitig kümmern und für stabile soziale Verhältnisse sorgen“, meinte der Moderator: „Auch mit den Neuankömmlingen.“


 


FAKTEN
Wer Fragen zur Flüchtlingshilfe hat oder selbst aktiv werden will, wendet sich
an: Norbert Schilmöller (Stadt Cloppenburg) -Telefon 04471-185337

Jutta Klaus
(Ehrenamtsagentur) - Telefon 04471- 8504532

Hans-Jürgen Hoffmann
(Diakonisches Werk) - Telefon 04471/1 8417- 0


Simone Elschen (Gemeindecaritas) - Telefon 04471- 9130576

Thoma Gehlenborg
(Katholische Pfarrgemeinde St. Andreas) Telefon 04471- 70149-22



Dr. Aloys Klaus
(Bürgerstiftung) —Tefefon 04471- 8504532

Um die finanzielle Hilfe zu bündeln, hat die Steuerungsgruppe Wir helfen helfen“ ein gemeinsames Konto eingerichtet:
Volksbank Cloppenburg (DE 57 280 615010009999603)
Stichwort: „Flüchtlingshilfe Cloppenburg“


Weiter Infos zur Flüchtlingshilfe:

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Weitere Informationen unter:

Alexander Rolfes
info@buergerstiftung-clp.de

 

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